Interview
"Es braucht mehr Akzeptanz, dass Anwerbung, Einstellung und Betreuung von internationalen Arbeitnehmer*innen eine Investition in die Zukunft bedeutet."
Aktuelles Interview
Eine offene Haltung fördern und fordern
OWYO: Was schätzen Sie ein, was fehlt uns in Dresden bei der Integration internationaler Arbeitnehmer und Migranten als Arbeitnehmer?
Kristina Winkler: Grundsätzlich gilt bei dieser Frage, egal, ob ein Unternehmen eine internationale Fach- oder Arbeitskraft im Ausland rekrutiert oder bereits hier lebende Migrant*innen einstellt, dass es hauptsächlich die Aufgabe der Arbeitgeber ist, Willkommenskultur im Unternehmen aufzubauen, den Start gut vorzubereiten und jede mögliche Unterstützung anzubieten. Dabei geht es nicht nur um das fachliche Einarbeiten und die Deckung der Qualifizierungsbedarfe, sondern auch um die soziale Integration und dies bedeutet freundliche und offene Aufnahme seitens der Belegschaft und die Unterstützung bei der Gestaltung des Alltags und der Freizeit. Hier sehen viele Arbeitgeber immer noch nur den Mehraufwand, nicht aber die Notwendigkeit, um die Integration erfolgreich zu gestalten. Es braucht mehr Akzeptanz, dass Anwerbung, Einstellung und Betreuung von internationalen Arbeitnehmer*innen eine Investition in die Zukunft bedeutet und die Überzeugung, dass eine berufliche Integration von Drittstaatler*innen dauerhaft funktioniert. Kleine und mittelständische Unternehmen brauchen institutionelle Unterstützung in Form von Beratung, Betreuung und interkultureller Öffnung der Belegschaft. Viele Unterstützungsstrukturen sind in Dresden bereits vorhanden, wir müssen sie jedoch weiter optimieren und dort stärken, wo tatsächliche Bedarfe entstehen.
Kristina Winkler | Integrations- und Ausländerbeauftragte der Stadt Dresden
OWYO: Welche Rolle spielen kulturelle Unterschiede und Sprachbarrieren bei der Integration von Migrant*innen in den Arbeitsmarkt, und welche Unterstützung bietet die Stadt in diesem Kontext an?
Kristina Winkler: Sprachbarrieren spielen natürlich eine große Rolle schon im Bewerbungsprozess sowie bei der Aufnahme und Ausübung einer Beschäftigung. Es ist eine wichtige Aufgabe der Stadtverwaltung, über das aktuelle Angebot zu Spracherwerbsmöglichkeiten und die Wege des Zugangs vollumfänglich und mehrsprachig zu informieren. Dabei stehen nicht nur institutionalisierte Angebote wie die Integrations- oder Berufssprachkurse des BAMF im Fokus, sondern alle Sprachangebote auch der vielen ehrenamtlichen Initiativen, Vereine und Migrantenorganisationen der Stadt. Diese gilt es zu unterstützen. Auf der anderen Seite ist es sehr wichtig, in Zusammenarbeit mit den Migrationsberatungsstellen die Zugewanderten zu motivieren, ihre Sprachkenntnisse auszubauen und das breite Angebot in Anspruch zu nehmen, um den Weg in Beschäftigung und/oder die berufliche Integration selbst voranzutreiben. Ein wichtiges Instrument ist die Internetseite der Stadt „Orientierung im Alltag“ mit aktuellen Informationen zum Thema Deutschlernen. Darüber hinaus entstand in der Stadtverwaltung zum 01.07.2024 die Stelle für Koordinierung der Sprachförderung für Zugewanderte. Kulturelle Unterschiede sind ein sehr weites Feld und es gibt nicht „die“ kulturellen Unterschiede. Ein Beispiel, wo kulturelle Unterschiede eine Rolle bei der Integration von Migranten*innen in den Arbeitsmarkt spielen, ist die berufliche Integration von zugewanderten Frauen mit kleinen Kindern. Hier ist es wichtig, die Bedeutung des Besuchs einer Kindertageseinrichtung nicht nur für den erfolgreichen Schulstart der Kinder zu vermitteln und die Familien durch Schaffung von Rahmenbedingungen in der Stadt beim Erlernen der deutschen Sprache zu unterstützen. Es ist wichtig, die Unternehmen zu motivieren, sich zu öffnen und über Beratungsangebote und Netzwerke zu informieren. Hier unterstützt die Stadt durch Informationsveranstaltungen, Beratung oder durch das Organisieren von „interkulturellen Jobmessen“, was das Amt für Wirtschaftsförderung in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter auch dieses Jahr im April bereits zum vierten Mal organisiert hat.
OWYO: Was wünschen Sie sich aus Sicht der Stadt von Wirtschaft & Institutionen?
Kristina Winkler: Mut und mehr Offenheit auf der Seite der Gesellschaft und Wirtschaft, sich mit dem Thema „Integration internationaler Arbeits- und Fachkräfte“ aktiv auseinanderzusetzen und offene Haltungen zu fördern und zu fordern. Aus der Perspektive der Stadt ist eine weltoffene Stadtgesellschaft, in der sich jeder Mensch unabhängig von seiner Herkunft wohl, willkommen und sicher fühlen kann, DIE Voraussetzung für die dauerhafte Integration internationaler Arbeits- und Fachkräfte.
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